Archiv für Januar 2013
Flüchtlinge in der Votivkirche: „Das ist wie ein Krebs, man wird tot innen“
Auf Menschen mit Todes-Erfahrungen muss man aufpassen…: Weil Shajahan weiß, wo sich ein Ausbildungs-Zentrum der Taliban befindet, würde er in Pakistan ermordet werden. Doch Österreich ist nicht bereit, ihm Asyl zu gewähren. Nun hungert Shani sich die bei den Taliban durch Steroide zugenommenen Kilos in Österreich im Hungerstreik wieder herunter.
„Wir wollen den normalen Menschen in Österreich erklären, wie die Situation in unseren Heimatländern ist“, sagt der hagere Mann, der mit einem Schlafsack umhüllt auf einer Matraze mitten in der Wiener Votivkirche sitzt. „Es gibt keinen einzigen Flüchtling hier, der nicht jemand aus seiner Familie verloren hat. Durch den Hungerstreik sind wir alle schon etwas geistig beeinträchtigt („mentally disturbed“).“ Mit seinem Bart, der Mütze und der Kapuze darüber und dem durchdringenden Blick, schaut dieser Flüchtling wie ein Revoluzzer aus. Ein Film- und Fernsehjournalist befragt ihn gerade. „Unsere Forderungen sind keine einfachen“, sagt der Flüchtling. „Wir wollen einen legalen Status und Reisedokumente. Die Mentalität in Österreich macht den Flüchtlingen nur Vorwürfe.“ „Was muss passieren, damit ihr den Hungerstreik beendet?“, fragt der Fernsehjournalist hartnäckig bereits zum zweiten Male, seine Stimme wird lauter. „Wenn wir unsere Rechte erhalten. Wir sind schwach, wir tragen eine Menge Probleme im Herzen und wir kämpfen gegen das System und die Welt“, ist die Antwort. „Wir wollen keine warmen Plätze oder Erleichterungen haben.“