Artikel-Schlagworte: „Kunst“

postheadericon Runde und offene Ruinen der Moderne

Ausstellung zum billigen Baumittel Beton.

 

werner-feiersinger_morandiZwei Lehrer von der HTL für Bautechnik schauen sich mit lauter Jungs die Ausstellung „Beton“ in der Kunsthalle Wien an. Von „Zug pro Quadratmeter“ ist die Rede, dass man rechnen muss, weil Beton praktisch kein Volumen hat und sich verflüssigt. „Hochgeheim ist die Rezeptur, unglaublich“, sagt ein Lehrer. Die jungen Männer schauen sich Fotos von verfallenen Mietskasernen an, „Add Elegance to your Property“ hat jemand auf die Betonmauer vor den leerstehenden Häusern gesprüht. Es geht viel um Architektur und Wohnen, um Beton als Baumittel der 60er, 70er Jahre – in der Italo-Moderne zum Beispiel, in der man eine weltoffene Gestaltung haben wollte. Viele Bauwerke sind rund und offen, durchlässig. Die Bautechniker fassen alles an, klopfen überall drauf auf die Kunstwerke und hauen sich ab über ein blaues Plexiglas mit Loch drin. Völlig unauffällig steht ein Betonwerk der Bildhauerin Isa Genzken im Raum, ein Betonquader mit einem kleinen Loch, der „Luke“ (1986) heißt.

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postheadericon Kriegsuntauglicher Max Beckmann

Wie den Tod, wie die Ermordung naher Angehöriger integrieren? Momentan würde man sich wünschen, dass viele Flüchtlinge offiziell kriegsuntauglich sein dürften, ähnlich dem Maler Max Beckmann im Ersten Weltkrieg.

 

Wie den Krieg und seine Zerstörungen integrieren? Wie den Glauben an die Menschheit wiederherstellen und trotz allem Freude am Leben fördern? „Mir ist ganz recht, dass Krieg ist. Meine Kunst kriegt hier zu fressen“, schrieb der Maler Max Beckmann über den Ersten Weltkrieg. Er hatte sich freiwillig als Sanitäter gemeldet, aber nach eineinhalb Jahren erlitt er einen geistigen und körperlichen Zusammenbruch und wurde kriegsuntauglich geschrieben. Beckmann wurde niedergebeugt vom Zusammenbruch seiner Gewissheiten. „Der Krieg zerstörte etwas in ihm, seine Unschuld vielleicht und mehrere Jahre sehen wir ihn bei dem verzweifelten Versuch sich selbst wieder zu finden. Das verlorene Selbst ist ein falsches, das unbewiesene Selbst“, schrieb die Schwester Wendy Beckett in dem Buch „Die Suche nach dem Ich“. „Seine Art, auf seinem Selbst herumzuharfen, alles am Krieg, außer seinen Farbvaleurs auszublenden, war in Wirklichkeit der verzweifelte Versuch, seine geistige Gesundheit zu bewahren. Hinter der tapferen Brutalität seiner Briefe lauert Angst von fast psychotischen Ausmaßen.“ Achtzig Selbstbildnisse mit viel Schwarz sind die Folge.

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postheadericon In den Himmel sehen

Enkel bringt Armin Freudmanns Gedichte zum Leuchten.

Armin FreudmannDurch Sprache eine gewisse Distanzierung erreichen und sich doch gleichzeitig einlassen auf die eigenen Gefühle: Diese Schwierigkeit drücken die Gedichte von Armin Freudmann aus, die er zwei Jahre lang im Konzentrationslager schrieb. Erst weigerte er sich noch. In dem Gedicht „Das Lagertagebuch“ meint Freudmann, dass der Vater dieses Tagebuchs „das Sinnen“ sei. „Seine Mutter wäre das Sehnen. Ich könnte es schreiben mit Tränen – es wäre ein Zeitvertreib.“ Seine Gedichte reimen sich vornehm und elegant, sind von zeitloser Ironie und zeigen die jüdisch-bildungsbürgerliche Erziehung des Kommunisten. „Doch müsst ich, mein Kind, dich verbergen, (…) weil Schreiben verboten mir ist. Sie würden dich finden und töten. Und auch ich würde umgebracht.“ „Mein Großvater gebar Gedichte“, sagte Eduard Freudmann, der Enkel, bei seiner Wiener Performance „The White Elephant Archive“ im Theater Hamakom. Seine Oma stellte ein Familien-Archiv zusammen, das in einer Kiste über seinen Onkel Gottfried zu ihm kam und Edi zehn Jahre lang obsessiv beschäftigte. Immer wieder entwarf der Künstler Projekte dazu, zweifelte aber und gab sie wieder auf. Nun fand er endlich eine Form, auf ganz eigene Weise für die dritte Generation nach der Shoah, einige der Ambivalenzen seiner Familiengeschichte darzustellen. Wie den Bruch, dass die Großmutter, eine Kommunistin nach Sowjetunion-Muster, aus Ärger über ihren Maoisten-Sohn, der in einem Flugblatt die Sowjetunion mit Hitler verglich, nicht mehr ihre eigenen Erinnerungen aufschrieb.

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postheadericon Prater: „Das Ruder nicht aus der Hand geben“

Katja KolnhoferTochter des Wiener Wurstelpraters und einer Geisterbahn-Mutter: Die Autodrom-Chefin Katja Kolnhofer entstammt einer der ältesten Familien des Wiener Wurstelpraters. Nun möchte sie hinter ihrem „Super-Autodrom“ noch ein Fahrgeschäft, eine Attraktion hinstellen.

 

Am Rande des Autodroms stehen zwei ältere Damen und schauen sehnsüchtig in die Runde, während eine Frau mit Kind im Autochen mit Gummiumrandung sichtlich Spaß am Zusammenstoß mit anderen elektrischen Wägen hat. Katja Kolnhofer, die Chefin des „Super-Autodroms“ mitten im Wiener Wurstel Prater, besitzt ihre eigene, in sämtlichen Regalen bis obenhin vollgestopfte, Werkstatt. „Oft bricht eine Lötstelle am Wagen, das ist schnell gemacht, manchmal muss man Kabel nachziehen oder frisch anlegen“, fuchtelt Kolnhofer mit dem Lötkolben in der Luft herum. „Die 28 Autos sind bereits dreißig Jahre alt, es ist täglich etwas hin. Aber sie sind an sich schon sehr robust, ähnlich wie mein alter Einser Golf!“, lacht sie. Katja Kolnhofer stammt aus einer der alten Familien im Prater, vor 56 Jahren baute ihr Urgroßvater mit seinem Bruder die Vergnügungsbetriebe auf. 1921 von Ungarn nach Österreich ausgewandert, mietete Uropa Philipp Kolnhofer das allererste Cafe-Restaurant in der Prater Hauptallee an. Später übernahmen die beiden noch ein zweites Cafè-Restaurant in der Hauptallee und verpflegten Zwangsarbeiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich sein Sohn, Philipp Kolnhofer II., als Obmann des Praterverbandes und half bei der Entnazifizierung und Neuparzellierung tatkräftig mit.

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postheadericon Dabernig: Die Leere rocken

Der Bildhauer, Filmemacher und multimediale Künstler Josef Dabernig im mumok: Nach Jahrzehnten voll komplizierter Zahlenkunst drehte Josef Dabernig Filme mit sehr persönlichem Zugang. Humor, sagt er, sei ein „Selbstbehauptungs-Vehikel“ in disziplinierenden Strukturen.

Josef Dabernig

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