Artikel-Schlagworte: „Widerstand“

postheadericon Breitenwaida bleibt menschlich

Über Dörfer, die wollen, dass „ihre“ Flüchtlinge bleiben.

 

Großstelzendorf, Breitenwaida, Groß-Enzersdorf, Strasshof – es ist schön zu hören, wie Dörfer und Kleinstädte um ihre eingemeindeten Flüchtlinge kämpfen. In der Stadt hingegen bleiben Flüchtlinge oft anonym und können dann ohne viele Aufsehen und Federlesens abgeschoben werden. Braitenwaida hilft sogar drei afghanischen Jugendlichen, die in der Steiermark angesiedelt sind und nach Kroatien verschoben werden sollen. Mahnwachen werden abgehalten, Dorfbewohner_innen engagieren sich – eine erfreuliche Entwicklung für Menschen, die alles verloren haben.

breitenwaidaDie junge palästinensische Frau mit Baby, über die der Augustin in der letzten Ausgabe berichtete, hat hingegen inzwischen „aufschiebende Wirkung“ durch den Verfassungegerichtshof erhalten. Was bedeutet, dass sie aus Zagreb wieder einreisen und in Österreich auf „den Ausgang des Verfahrens“ warten darf. Momentan wird im Raum Groß-Enzersdorf eine Wohnmöglichkeit für die kleine Familie gesucht. „Der Verfassungsgerichtshof schickte die aufschiebende Wirkung“, berichtet Margit H. aus Groß-Enzersdorf. „Ohne Begründung. Der Verfassungsgerichtshof begründet nicht. Nun wollen sie zurück nach Groß-Enzersdorf zu ihren Freunden.“ Die Frage bleibt, wohin Palästinenser, die oft staatenlos sind, überhaupt abgeschoben werden könnten? Österreich drückte sich vor einer Entscheidung, stieg gar nicht erst ins Asylverfahren ein, sondern schickte die Familie nach Kroatien.

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postheadericon Morzinplatz,1945: eine Zelle mit vierzig Frauen

Peter-SchwarzVon der Großmutter, die Fallschirmspringer versteckte, und zum Folteropfer der Gestapo wurde. Im Juni wurde das „Hotel Metropol“, ehemalige Gestapo-Zentrale, im Rahmen der Wiener Festwochen geschichtspolitisch durchleuchtet. Auch Jutta und Anna Vitek wurden am Morzinplatz von den Nazis gefangengehalten, weil sie feindlichen Fallschirmspringern Unterschlupf gewährt hatten. Ihr Sohn und Enkel Peter Schwarz erzählt erstmals öffentlich vom Widerstand seiner mutigen Verwandten. Kerstin Kellermann hat den Geschäftsführer des Psychosozialen Zentrums ESRA zum Gespräch getroffen.

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postheadericon Der Sound der Heiligengeistschlucht

900sekundenDen Berg hinauflaufen, um NS-Flüchtlingen nachzuspüren: Der Filmemacher Gregor Franz Waltl wünscht sich eine gemeinsame Aktion aller NachbarInnen an der steirisch-slowenischen Grenze, um sich der jüdischen Flüchtlinge und der PartisanInnen zu erinnern, die die Sveti Duh- (Heiligengeist-) Schlucht benutzten, um den Grenzkamm zu erreichen. Mit seiner Kopf-Kamera rannte er den Berg hinauf. Kerstin Kellermann über eine ungewöhnliche erinnerungskulturelle Anstrengung.

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postheadericon Schlurfs, Schimmler, Selbstverstümmler: Widerständiges Sandleiten

Wenn die Politik sich nicht aufraffen kann, zukünftigen Generationen den Zusammenhang von Repression und zivilem Ungehorsam in Erinnerung zu rufen, muss die Kunst einspringen; im Falle des „roten“ Sandleitenhofs im 16. Bezirk taten das die Engagierten rund um das SOHO IN OTTAKRING-Projekt.

Foto: Chris Gangl

Kein Denkmal in der riesigen Gemeindewohnanlage aus den 1920er Jahren erinnert beispielsweise an die zwanzig jüdischen Menschen, die 1938 ihre Wohnungen verlassen mussten. Auch im Kongressbad gibt es keine Hommage an die hingerichteten jugendlichen Deserteure. Eine Tafel für den Widerstandskämpfer Heinrich Klein ist immerhin in Planung. Innerhalb von zwei Wochen mussten die Zwanzig im August 1938 ihre Sozialwohnungen verlassen. Emil Libesny, Klavierstimmer, Rudolf Spielmann, Steindrucker, Hermann Ratyn, Schriftsetzer… Kündigungsgrund nach den Akten des Bezirksgerichtes Hernals: Nichtarier. „Der Angeklagte ist schuldig, die Wohnung zu übergeben“, schrieb das Gericht. Marie Spielmann, die Tochter von Rudolf Spielmann protestierte: Ihr Vater sei Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen und leide an den Kriegsverletzungen. Es nutzte nichts. Siegmund Feldmar, Schuhmachermeister, Erwin Adler, Kaufmann. Die Geschäftsfrau Margarethe Gorbulsky schickte ihre Einwände an die Behörde: Ihr Mann erblindete nach dem Kriegsdienst und Flecktyphus vollständig. „Ich selbst bin derzeit im achten Monat schwanger. Wir haben die Ausreise vorbereitet“. Das Kündigungsschreiben an David Klein aus der Gomperzgasse 1-7, Stiege 2, Tür 5 konnte nicht zugestellt werden, da er sich in Dachau befindet. Auch der Ledergalanteriearbeiter Karl Freud und sein Vater endeten nach der Delogierung in Dachau.

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postheadericon „Ich habe Angst, aber ich gerate nicht in Panik“

Ein „transkulturelles Thema“ anläßlich der Morde in Norwegen: Die Handlungsfähigkeit von Menschen im Angesicht des Todes und die mediale Berichterstattung dazu. Das SMS aus dem Titel stammt von einem Mädchen vor Ort direkt während der Verfolgungen. Es gilt den emotionalen Widerstand der migrantischen und norwegischen Jugendlichen zu würdigen.

Frei nach der amerikanischen Schriftstellerin, Regisseurin und Fotografin Susan Sontag und ihrem Buch „Das Leiden anderer betrachten“ sollte Kriegs- und Gewalt-Berichterstattung die Leser mit einem Gefühl zurücklassen, dass es möglich ist, Veränderungen am Zustand der Welt zu initiieren und sie nicht in Hilflosigkeit und Ohnmacht versetzen. Die Kriegs-Berichterstatterin bewegte sich selbst immer an der Grenze des inneren Zulassens des beobachteten Grauens und einer weiter fort bestehenden Handlungsfähigkeit entlang. Susan Sontag traf ihre Foto-Auswahl für die großen US-Medien ganz bewußt nach diesem Kriterium.

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