Artikel-Schlagworte: „Buch“

postheadericon Fagott auf Weltreise

Hörbuch für „Migrationslücken“.

 

Wie ist das nun mit „Herkunfts-Kulturen“ von Kindern und der „Kultur“ der Aufnahmegesellschaft? Auch wenn soziale Kulturen keine Inseln sind und sich ständig vermischen, gibt es gewisse Traditionen in Familien. Wie zum Beispiel in der Musik. „Manche Kinder verstummen schon im Kindergarten“, warnt eine Sprachpädagogin bei der Präsentation des Hörbuchs „Sieben Blätter und ein Stein“ und berichtet, wie schwierig es sei, Kinder wieder aus diesem Schweigen herauszuholen. Die Kinder flüchten in eine Fantasiewelt, weil ihre Muttersprache und ihre Traditionen in der Schule überhaupt nicht vorkommen und sie sich auf deutsch (noch) schlecht ausdrücken können. „Es klafft eine Lücke“, sagt Wei-Ya Lin, die Hörbuch-Herausgeberin: „Obwohl die Wiener Gesellschaft nach mehreren Einwanderungswellen längst multikulturell geworden ist, sind das Bildungssystem und die betreffende Gesetzgebung noch lange nicht darauf vorbereitet. In den Schulen entsteht dadurch eine Lücke.“

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postheadericon Triumphale Behauptung von Normalität

Die Fluchtgeschichte des Hans Kohlseisen nach Irland.

„Und ich reise noch immer“: Das Buch fällt durch seine schöne, spannende Sprache auf und liest sich wie ein Abenteuer. Es sticht in seinen ungewöhnlichen Wendungen hervor unter den Büchern, die Fluchtgeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus betreffen. Den „besonderen Tonfall, seine zuweilen kecken Formulierungen  und seine bemerkenswerten Assoziationen“ wollte Margarete Affenzeller aufzeichnen, die sich als Ghostwriterin (Anm. komisches Wort für die Gespenster des Nationalsozialismus) für den als Jugendlichen nach England geschickten Hans Kohlseisen betätigte.

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postheadericon Kaleidoskop des jüdischen Proletariats

Neues Sachbuch zu Ottakring und Hernals.

Das neu erschienene Buch über das jüdische Leben in der Wiener Vorstadt ist erstaunlich. Akribisch und fleißig haben die beiden Autorinnen wie in einem Kaleidoskop tausende bisher großteils unbekannte Einzelheiten, Daten und Fakten ausgeforscht und zusammengetragen. Wer mit jüdischen Menschen bisher hauptsächlich das Bürgertum verband, wird überrascht sein, wie viele jüdische Kommunist_innen und Sozialist_innen eifrig versuchten, die Lebensumstände in ihrem Arbeiterbezirk zu verändern und ihr Umfeld bzw. die Wiener Gesellschaft hin zum Positiven zu beeinflussen.

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postheadericon „Nieder mit den nazistischen Blutsäufern!“

„Wiener, erschlagt die braunen Bluthunde“, schrieb ein junger Laborant, den Zettel bewahrte er leider in seiner Brieftasche auf. Das Papier mit den Verfluchungen diente dem „Mischling ersten Grades“ als heimlicher Trost, da er wegen seiner Abstammung verspottet wurde. Sein jüdischer Vater flieht 1938 und lässt seine Kinder zurück (es wird nicht erwähnt warum). Als Wolfgang Pogner seine Brieftasche verliert, führt das Zettelchen zu seinem Untergang. In der Untersuchungshaft besucht ihn seine Schwester Susi. Wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ wird der junge Mann vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und mitleidslos aus seiner „Armesünderzelle“ heraus am 5. Dezember 1944 im Landesgericht Wien hingerichtet.

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postheadericon Anselm Kiefer: „Ruinen sind für mich ein Normalzustand“

Der Maler Anselm Kiefer wuchs direkt nach dem Zweiten Weltkrieg mit Ruinen und Trümmern im Blickfeld auf: „Das ist ein Zustand der Transition, des Umschwungs, der Veränderung. Mit den Steinen, die in den großen Städten von den sogenannten Trümmerfrauen – heute fast schon ein mythologischer Begriff – gereinigt wurden, baute ich Häuser.“ Ein überaus dichter Interviewband ist Klaus Dermutz da gelungen, voll lyrischer Fragen und eigener Überlegungen nach der Gnosis, der Mystik und Kosmogonie Isaak Lurians und dem Einfluss von Gedichten Ingeborg Bachmanns und Paul Celans auf Kiefers Kunst. Es zeigt sich, wie viel mehr ein Interviewer erreichen kann, wie tief schöpfen, der sich auf einen Künstler spezialisiert, ihm in seinen Werken folgt.

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