Artikel-Schlagworte: „Flüchtlinge“

postheadericon Vom Schmerz leben

Das Festival „Alarm“ thematisierte. wie schwer es ist, das Elend Geflüchteter in Worte zu fassen.

 

Während das Flüchtlingsrettungsschiff Sea Eye in Rostock in der Werft restauriert wird, brennen örtliche Flüchtlingsheime. Das war ein Grund für den Rostocker Musiker Johann Pätzold, selbst an Bord der Sea Eye zu gehen. Pätzold ist zur Podiumsdiskussion eingeladen. In dem Areal der Kuratorinnen Zahra Mani und Karin Schorm im kroatischen Hrelji bei Rovinj findet das internationale Festival Alarm statt. Ärzte ohne Grenzen haben seit dem Jahr 2016 über 30.000 Flüchtlingen das Leben gerettet. Dieser Tage ist ihr Flüchtlingsschiff, die Aquarius 2, dabei, die Flagge Panamas, unter der sie fährt, zu verlieren.

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postheadericon Alle Kinder malen gleich. Auf der ganzen Welt.

Strahlenfiguren, Kammfiguren, Kreise mit Kernen. Warum man kleine Kinder beim Malen ihrer Ringel und Punkte nicht stören sollte.

Er malte mit Kindern im Dschungel und in der Wüste, in Neuguinea und Guatemala, in Mauretanien oder Äthiopien – alles, um seine Bild-Schöpfungs-These zu beweisen. Seine großmütige, großherzige These in einer Welt, in der viel Dünkel vorherrscht, beinhaltete, das alle Kinder auf der ganzen Welt gleich sind und mit ihren ersten Zeichenversuchen sehr ähnliche Figuren abbilden, denen jedes Mal eine komplett ähnliche Entwicklung folgt, falls keiner stört.

Beginnend mit Kreisen und Kringeln wird die allererste Spur auf das Papier gelegt. Nach Arno Stern eine Erinnerung an den embryonalen Zustand, an Bauch und Geburt. Jedes Kind ist von einer Mutter geboren, musste durch den Geburtskanal an das Licht der Welt. Man soll und darf diese ersten Bilder nicht interpretieren, meinte der eigenwillige Stern, nicht sagen, aha, eine Sonne, ein Mond, sehr schön. Oder: Was ist das? Was soll das sein? Man soll das Kind einfach machen lassen, ohne Beeinflussung, denn sonst erzeuge man ein braves Kind, das gehorsam um Aufmerksamkeit heische, und zerstöre die orginale Bildspur des Kindes.

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postheadericon Breitenwaida bleibt menschlich

Über Dörfer, die wollen, dass „ihre“ Flüchtlinge bleiben.

 

Großstelzendorf, Breitenwaida, Groß-Enzersdorf, Strasshof – es ist schön zu hören, wie Dörfer und Kleinstädte um ihre eingemeindeten Flüchtlinge kämpfen. In der Stadt hingegen bleiben Flüchtlinge oft anonym und können dann ohne viele Aufsehen und Federlesens abgeschoben werden. Braitenwaida hilft sogar drei afghanischen Jugendlichen, die in der Steiermark angesiedelt sind und nach Kroatien verschoben werden sollen. Mahnwachen werden abgehalten, Dorfbewohner_innen engagieren sich – eine erfreuliche Entwicklung für Menschen, die alles verloren haben.

breitenwaidaDie junge palästinensische Frau mit Baby, über die der Augustin in der letzten Ausgabe berichtete, hat hingegen inzwischen „aufschiebende Wirkung“ durch den Verfassungegerichtshof erhalten. Was bedeutet, dass sie aus Zagreb wieder einreisen und in Österreich auf „den Ausgang des Verfahrens“ warten darf. Momentan wird im Raum Groß-Enzersdorf eine Wohnmöglichkeit für die kleine Familie gesucht. „Der Verfassungsgerichtshof schickte die aufschiebende Wirkung“, berichtet Margit H. aus Groß-Enzersdorf. „Ohne Begründung. Der Verfassungsgerichtshof begründet nicht. Nun wollen sie zurück nach Groß-Enzersdorf zu ihren Freunden.“ Die Frage bleibt, wohin Palästinenser, die oft staatenlos sind, überhaupt abgeschoben werden könnten? Österreich drückte sich vor einer Entscheidung, stieg gar nicht erst ins Asylverfahren ein, sondern schickte die Familie nach Kroatien.

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postheadericon Kriegsuntauglicher Max Beckmann

Wie den Tod, wie die Ermordung naher Angehöriger integrieren? Momentan würde man sich wünschen, dass viele Flüchtlinge offiziell kriegsuntauglich sein dürften, ähnlich dem Maler Max Beckmann im Ersten Weltkrieg.

 

Wie den Krieg und seine Zerstörungen integrieren? Wie den Glauben an die Menschheit wiederherstellen und trotz allem Freude am Leben fördern? „Mir ist ganz recht, dass Krieg ist. Meine Kunst kriegt hier zu fressen“, schrieb der Maler Max Beckmann über den Ersten Weltkrieg. Er hatte sich freiwillig als Sanitäter gemeldet, aber nach eineinhalb Jahren erlitt er einen geistigen und körperlichen Zusammenbruch und wurde kriegsuntauglich geschrieben. Beckmann wurde niedergebeugt vom Zusammenbruch seiner Gewissheiten. „Der Krieg zerstörte etwas in ihm, seine Unschuld vielleicht und mehrere Jahre sehen wir ihn bei dem verzweifelten Versuch sich selbst wieder zu finden. Das verlorene Selbst ist ein falsches, das unbewiesene Selbst“, schrieb die Schwester Wendy Beckett in dem Buch „Die Suche nach dem Ich“. „Seine Art, auf seinem Selbst herumzuharfen, alles am Krieg, außer seinen Farbvaleurs auszublenden, war in Wirklichkeit der verzweifelte Versuch, seine geistige Gesundheit zu bewahren. Hinter der tapferen Brutalität seiner Briefe lauert Angst von fast psychotischen Ausmaßen.“ Achtzig Selbstbildnisse mit viel Schwarz sind die Folge.

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postheadericon „Was macht Frontex in unserem Parlament?“

Foto: Alexander NikolicFlüchtlinge als ExpertInnen Nummer 1 – Eine Konferenz in Hamburg. Auf der Flüchtlingskonferenz in Hamburg erläutern SprecherInnen die Lage in den Transitländern Marokko und Tunesien. Was bei solchen Tagungen meist nicht der Fall ist, passierte hier wie selbstverständlich: Die wirklichen Fachleute waren stark vertreten. Über 2000 Flüchtlinge besuchten die dreitägige Refugee Conference. Kerstin Kellermann beobachtete für den Augustin.

 

„Es ist Europas Versagen, den Verletzten und Verletzlichen keine Sicherheit zu geben“, sagt eine afrikanische Flüchtlingsfrau auf dem Pressetermin zur Konferenz auf Kampnagel in Hamburg, zu der so viele Betroffene angereist sind. „Wir wollen etwas beitragen für die Gesellschaft, um die Knospen der Änderung aufspringen zu lassen. Im Moment wachsen Kinder unter völlig inakzeptablen Umständen in isolierten Flüchtlingslagern auf. Wir wollen Lösungen und Aktionen finden, um politische Änderungen zu fördern.“ Draußen vor dem Fenster ist ein riesiger Verschiebe-Kran zu sehen, das Tanzquartier Kampnagel ist in einer alten Fabrik angesiedelt. „Ich bin sehr traurig“, sagt ein alter Rom aus Mazedonien, „dass Flüchtlinge in diesem Niemands-Elendsland an der griechischen Grenze Polizeigewalt erleben müssen. Auch in Deutschland ist es für uns Roma sehr anstrengend geworden mit dieser zunehmenden rechtsextremen Gewalt.“ Die Strukturen kollabierten zunehmend, ist hier der Tenor, „die Situation kann nicht so bleiben“. Viele Flüchtlinge sehen das so, dass zunehmend auch ihre eigene Bereitschaft, politisch zu handeln, gefragt wäre.

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