postheadericon Schwebend über Hartheim schreiben

Mit dem Buch „Mit Mathilde“ und der Ausstellung „Eingestickt“ erinnern zwei aktuelle Projekte an die Ermordeten der NS-Vernichtungsstätte Hartheim.

Ich habe es gewusst und nicht gewusst“, erklärt Autorin Alexandra Gusetti, die erst 2024 im Gedenkort Hartheim von der ermordeten Schwester ihres Großvaters erfuhr. „Als wir hinaus gingen, hatte ich das Gefühl, Mathilde sei bei mir. So dunkel wie die Scham, die sie umgibt. Ein helles Wesen, ein liebevoller Schatten.“ Gusetti begann in Krankenakten zu recherchieren, Mathilde war gehörlos gewesen. „Die Schuld gehört den Naziverbrechern“, konstatiert Gusetti bei einer Lesung in Wien. „Ich musste nicht kopfüber in diese Verzweiflung und konnte beim Schreiben schwebend bleiben.“

Ich habe das Foto ein Jahr mit mir herumgetragen“, erzählt die Fotografin Ulrike Wieser, deren zehnjährige Großcousine Elfi Schlager ebenfalls in Hartheim getötet wurde. „In meiner Familie gab es schon vor Hitlers Machtergreifung illegale Nazis. Deswegen wurde über die Ermordung Elfis nicht geredet – wegen der Beteiligung. Und wegen der Scham, dass man ein behindertes Kind hat!“ Wieser bestickte Fotos weiterer ermordeter Menschen beziehungsweise ihrer Geburtsorte: „Man sticht immer wieder durch das Bild durch – es ist eine kraftvolle Erinnerungsarbeit.“

Erschienen im Augustin 638, 25. 2. – 10. 3. 2026

Alexandra Gusetti: Mit Mathilde. Verlag Bibliothek der Provinz 2025

Eingestickt. Zur Erinnerung an 67 Menschen, die 1940 in Hartheim ermordet wurden, Haus der Geschichte Österreichs, bis 10. Mai

Foto: Elfi Schlager, Credit: Ulrike Wieser

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