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Tapfuma Gutsa: „Mami Wata ist zornig“
Wassergeister transportieren die Seelen Ertrunkener zurück nach Afrika: Kunst zu Bootsflüchtlingen, die im Meer ertrinken, erhängte Spanier, die Francisco de Goya zeichnete oder Picassos Guernica – wenn ein Künstler politische Kunst machen will, soll man ihn lassen, meint Tapfuma Gutsa. Der international bekannte Bildhauer, der auf der letzten Biennale in Venedig ausstellte, würde gerne Kunst in Flüchtlingsheimen machen, weil dort „unglaublich intelligente und verrückte Köpfe sitzen“. Die Arbeit ist noch einschließlich Samstag in Wien zu sehen.
Viele bunte Autos und das Grauen aus dem All
Eine Punk Band aus dem Wien der 80er Jahre. Der Film „Malaria“, die Band „viele bunte Autos“: Auf dem „Soundtrack zum Film“– einer Vinyl-Single – waren sie mit dem Song „Küsse“ vertreten. Manche ihrer Texte kriegen ZeitgenossInnen bis heute nicht aus ihren Ohren heraus. Sängerin Angie Mörth entstammt der Vorarlberger Punk Szene. „Doch plötzlich hören sie donnernde Schritte. Es war die SS mit Horst in der Mitte, die kamen mit Netzen und Lassos gerannt, und haben die Kleinen in Dachau verbrannt. Liliputaner spielen Indianer, Liliputaner, der letzte Mohikaner.“
Ägidigasse: Der Angriff der Angst
Der Angriff der Angst
Läßt die Köpfe rollen
Noch ehe die Hand
Den Prügel umfaßt
Zum Schlag sich erhoben
Später, als wir alle eng aufeinander wartend beim Treffpunkt sassen, spürte jeder die ersten Fluchttendenzen in sich. Es herrschte gedrückte Stimmung. Der laut dröhnende Fernseher lief an uns vorbei, denn nicht für uns gestaltete sich seine Aufklärungsarbeit und alle wußten von der Sperre. Als ich R. statt in Boots und Lederjacke mit gelbem Sweatshirt und bloßen Füssen auf der Straße traf, wußte ich um den Grad der Auflösung der Bewegung. Verwirrt
hatte er schleunigst den Rückzug in sein bierbebauchtes Kleinschmarotzertum angetreten. Niemand wollte anschließend die Details noch hören, es waren zu viele, zu viele Freunde, zu viele Bekannte. Wir saßen nur ruhig herum und warteten immer noch auf irgendetwas. Die Hippies mit ihrer geschwätzigen Freundlichkeit schienen noch am ehesten klar zu kommen mit der Situation. Wir restlichen Helden der Landstraße mit Kettengeklirr und Imponiergehabe steckten unbehaglich im Sumpf und auf den Sesseln. Brutal fein, diese Nächstenliebe, wir könnten das nicht. Doch vielleicht brüllen wir einmal von der Bühne für euch, dass die Verstärker krachen und wackeln mit dem Iro dazu. Es wurde dunkler und dunkler. Dabei gab es inzwischen nichts mehr zu essen, kein Bier mehr zu kaufen und einzelne sassen lieber vor der Haustüre auf der Straße und unterhielten sich. Wir fuhren noch in der Nacht nach S. zurück.
Punk und Holocaust: Die Endlösung der Endlösung
Als die Töchter und Söhne der Holocaust-Überlebenden auf die
Popmusik stießen, entstand Punk. Mit den Mitteln der Komödie, Überzeichnung
und Rebellion versuchten Punkprinzessinnen wie Genya Ravan oder Helen Wheels die Schocks in ihrer Familiengeschichte zu verarbeiten.
Franz Hautzinger: Das Gegenteil vom Trompeten-Tütü
Franz Hautzingers Weg vom Musikantenstadl zur Avantgarde: Er könnte auch mit einem Luftballon Musik machen, aber zum Glück muss er nicht. Mit seinen Andeutungen, Antönungen, Anflügen revolutionierte Hautzinger nicht nur den Trompetenklang, sondern er fühlte sich auch noch als Trompeter, als ihn eine Lähmung der Oberlippe jahrzehntelang zwang, halbe Töne als Geschenk zu nehmen.
Wie hast du diese Lähmung in deiner Oberlippe bemerkt? Hast du dann plötzlich gar nicht mehr spielen können?
Meine Arbeit war das Trompete-Üben. Der Anfang vom Ende begann, als ich mit 18 Jahren zum Studium nach Graz kam und sah, dass man ordentlich üben muss. Wir haben den ganzen Tag und die ganze Nacht geübt und abends auch noch gespielt. Aus jetziger Sicht wäre es ganz einfach gewesen, mein Schicksal zu verändern, indem man mir beigebracht hätte, wie man Trompete spielt, wie das funktioniert. Es ist eine Technik, die für Kinder oder Jugendliche nicht schwer ist. Meine Lehrer sahen leider nicht, dass meine Atemtechnik völlig inexistent war. Drei Jahre lang spielte ich immer auf meiner Lippe. Und da ich sehr fleißig war, habe ich eben jeden Tag gespielt, bis kein Ton mehr heraus kam. Es gab einen Punkt, an dem ich im letzten Stück von einem Konzert auf der Bühne keinen Ton mehr herausbrachte. Ich dachte, die Trompete hat ein Loch. Irgendwo ist etwas kaputt. Bis ich merkte, dass die Lippe keine Spannung erzeugte. Bei Blechbläsern funktioniert das oft, dass man einen Tag weniger macht – im Winter sind die Muskeln nicht so aufgewärmt. Ich dachte, ich mache jetzt zwei Tage Pause, aber dann merkte ich, das geht nicht. Die Oberlippe war gelähmt. Ich mußte Konzerte absagen. Immer mehr wurde mir klar, das ist etwas Stärkeres, Größeres, was außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt. Irgendwann mit 20, 21 Jahren war mir klar: Ich war einmal Trompeter.