postheadericon Bei den Benjamins: Gas gegen Gas

Allein die Idee war extrem weitsichtig und süß – die Erfindung eines „guten Gases“, das schlechte Gase aus der Stadt oder dem Dorf draußen hält. Nach oben verschafft. In der Schwebe hält, damit sie keinen Schaden anrichten. Im Ersten Weltkrieg waren durch die ersten Gasangriffe in der Geschichte viele Menschen völlig zerrüttet worden. Psychiatrien für die „Kriegszitterer“ entstanden damals. Dora Benjamin schrieb ihren Roman „Gas gegen Gas“ noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie konnte nicht wissen, wie sehr die Gas-Schäden den jungen Soldaten Adolf Hitler beeindruckt hatten, doch sie sah sehr wohl, welche extremen Auswirkungen diese Kriegswaffe mit sich brachte. Hätte man nur auf sie gehört! Wäre ihr Buch nur ein Bestseller geworden! Aber Dora Benjamin verlor sich laut der Autorin ihrer Biografie in Beziehungsgeschichten, in verflochtene Dreiecke.

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postheadericon Durch Familien-Recherche Hoffnung schöpfen

Niemand sollte anderen Menschen die Hoffnung nehmen, die sie aus der „Vorfahren-Recherche“ erreichen können. Außer man ist ein Täterkind und doppelt ambivalent. Ein Täterkind will schauen und wieder auch nicht.

Warum ist es so wichtig, seine eigenen Vorfahren zu recherchieren? Oft gibt es Familien-Gerüchte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, aber nie überprüft wurden. Die im Laufe der Jahre abgeschliffen und verändert wurden. Leerstellen. Obsessionen, Besessenheiten, seltsame Eigenheiten – die sich keiner so richtig erklären kann. Starke Gefühle, die bei kleinstem Anlass plötzlich ausbrechen können, die nicht zur Situation passen.

Es ist wichtig zu wissen, ob ein Verwandter wirklich von den Partisanen ermordet wurde, wie vor kurzem jemand schrieb und wieso und warum. Was die Hintergründe dieser Tat waren. Durch gezieltes Nachfragen fand zum Beispiel eine Kärntner Bekannte aus dem Grenzgebiet heraus, dass ihre Tante auf dem Weg zur Polizei war, als sie erschossen wurde. Die slowenische Familie der Frau war eigentlich Pro-Partisanen eingestellt, doch die Tante war mit einem Mann zusammen, der „von den Deutschen gedreht und dann bei der GESTAPO der Größte“ geworden war. Dieser Mann überredete seine Freundin, die Partisanen-Gruppe in ihrem Wald zu verraten. „Sie wollte eigentlich gar nicht“, erfuhr meine Bekannte von ihrer Mutter, „aber der Mann brachte sie dazu.“

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postheadericon Rufmord durch deutschen Blogger (in eigener Sache)

Momentan bin ich seit Tagen massiven, völlig unberechtigten, aus der Luft gegriffenen Angriffen eines deutschen Bloggers ausgesetzt, der mir Antisemitismus und Holocaust-Verharmlosung unterstellt.

Seitdem ich einen deutschen Blogger kritisierte, überzieht er meinen Namen mit Verleumdungen, ich wäre zum Beispiel eine Selektiererin ähnlich den Nazi-Mördern. Dieser Mann hatte auf einer öffentlichen Plattform einen Text publiziert, der von einer Collage gekrönt war, auf der das Gesicht einer jüdischen Wissenschaftlerin direkt neben dem eines Nazi-Massenmörders abgebildet war. Der Text dazu war noch viel schlimmer. Seit meinem Posting, dass er durch diese Gleichsetzung der jüdischen Frau mit dem Nazi-Mörder den Holocaust verharmlose, überzieht er meinen Namen mit einer Kampagne von Verleumdungen. Mein Name wird in direkter Verbindung mit dem Nazi-Aufruf „Kauft nicht bei Juden“ gestellt (im Titel und im Link), ich wäre ein „Blockwart“, er vergleicht mich sogar direkt mit den Nazimördern, die Menschen selektierten. Ich wäre eine „Israel-Hasserin“, weil ich ihm postete, dass Israel sich selber verteidigen kann und dass das Land seine Hilfe nicht brauche.

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postheadericon Geschichtsbild ohne Partisaninnen

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien werden keine Kompromisse möglich sein. Entweder wird ein Uniformen-Weltbild ohne Täter-Benennung fortgeführt, oder es muss neu aufgestellt werden. Auf der Tagung und Ausstellung „HGM neu denken“ gab es Anregungen.

Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien war in letzter Zeit öfters in den Schlagzeilen. Kriegsverherrlichung (etwa rechtsextreme Bücher und Wehrmachtspanzer-Spielzeug), Misswirtschaft – die Vorwürfe haben es in sich. Und wurden so laut, dass das Verteidigungsministerium diese durch Kommissionen prüfen lässt.
Mit „HGM neu denken“, einem eintägigen Tagungs- und Ausstellungsformat, widmeten sich die Autorin und Literaturwissenschafterin Elena Messner und der bildende Künstler und Filmemacher Nils Olger dem Problem. Die beiden beschäftigen sich schon lange mit dem HGM, nun luden sie WissenschaftlerInnen und Kunstschaffende zur ersten breiten Diskussion zur Frage, wie ein zeitgenössisches, kritisches Museum heute aussehen könnte.

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postheadericon Banana Split und keine Angst

Comic Strips mit Superheldinnen, Karikaturen über Künstler oder Zeichnungen aus dem Lager Blechhammer: Das Museum Judenplatz zeigt künstlerische Überlebens-Strategien.

Paul Peter Porges, Anschluss Heldenplatz (c) Jüdisches Museum Wien

Ein Sigmund Freud mit großer Brille über einem bunten Teil hängend, das einer Blumenschale ähnlich sieht. Titel: „Dr. S. Freud kostet seinen ersten Banana-Split“. In Amerika! Ein Psychoanalytiker, der sagt „It’s perfectly alright to be a swine.“ Auf dem Sofa liegt (erraten): ein Schwein. Der Zeichner Peter Paul Porges aus Wien Fünfhaus (mit zwölf Jahren auf den Kindertransport) dachte, wenn er bei einer New Yorker Zeitung arbeite, dürfe er endlich Zeichnungen erstellen, um „Leute zu erziehen“. Doch er durfte nicht: „Du musst die Leute so dumm wie möglich lassen, um etwas mit ihnen anfangen zu können – sie zu benutzen“, ist sein Fazit im Filminterview. Er amüsierte sich aber trotzdem prächtig. Das Museum am Judenplatz zeigt bis 17. November 2019 drei KünstlerInnen, die, den Nazis entkommen, ihre ganz eigenen Vorstellungen und Interpretationen des amerikanischen Lebensstils vor ihrer Nase abbildeten. Doch „das Deutsche“ bleibt trotz Flucht in den Zeichnungen. „Less Sturm! Less Drang! Less Punk“, kommentiert zum Beispiel eine Mutter zu ihrem übertrieben übenden Kind am Klavier. Oder: „Sie haben eine Lebensmittel-Vergiftung“, sagt ein Arzt zu einem im Bett liegenden Künstler. Über dem Kranken hängen gemalte, überdimensionale Zitronen, Zwiebel, Fische an der Wand…

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