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postheadericon Der Überflieger

Von grandiosen Bruchlandungen und den mörderischen Handlungen des „falschen Selbst“ das „richtige“ zu retten. Ein Versuch, sich den Mord an 159 Menschen durch die Hypothesen der Psychoanalytikerin Alice Miller zu erklären.

 

Es gibt schon Möglichkeiten, extrem seltsames Verhalten zu beschreiben, ohne auf die klassischen psychiatrischen Diagnosen zurückzugreifen. Man kann es zumindest probieren, den Mord an 159 Menschen näher zu untersuchen. „Das sind abgespaltene Zustände der Seele“, sagte ein Psychiater im Fernsehen, denn anscheinend kam eine andere Persönlichkeit, eine neue Figur in dem Co-Piloten des Fluges 9525 German Wings zum Vorschein. Das „falsche Selbst“ vernichtet das „wahre Selbst“, wenn es keine Möglichkeit, keine Hoffnung mehr sieht, wie das „wahre Selbst“ leben könnte, ist die Theorie der Shoah-Überlebenden und Psychoanalytikerin Alice Miller. Das „falsche Selbst“ übernimmt die völlige Kontrolle. Miller argumentiert entlang den Modellen Grandiosität/Innere Leere und Depression, zwei Seiten einer Medaille. Ohne seinen Flugschein hätte es für Andreas L. keine Möglichkeit mehr gegeben, seine Grandiosität durch das Steuern riesiger Flugzeuge zu erleben. Ohne Freundin keine Möglichkeit mehr, Grandiosität zu demonstrieren, wie noch durch den Kauf von zwei Audis kurz vor der Trennung. Diese grandiosen Lösungen zur Abwehr von Depression und innerer Leere funktionierten nicht mehr. Die Grandiosität brach in sich zusammen. Es ist zu einfach zu sagen, man kann nicht alle schrecklichen Zustände der Seele des Menschen erklären, denn unsere Gesellschaft fördert das Grandiositäts-Modell, viele Menschen leben ihr „falsches Selbst“, übernehmen sich und wer am Grandiosiätsmodell scheitert, wird aussortiert. Es folgt zumeist eine Bruchlandung auf der Straße.

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postheadericon „Die Pflicht der öffentlichen Gewalten“

Wiener Ringstraßen-Ausstellung zu Pracht und Elend: Für in Wien nicht heimatberechtigte Personen war im ausgehenden 19. Jahrhundert die öffentliche Armenfürsorge nicht zuständig. Das traf auf siebzig Prozent der über 70.000 in Wien lebenden Juden zu, die nach der Gewährung der Freizügigkeit im Jahre 1867 aus allen Teilen der Monarchie als Arbeitssuchende nach Wien gezogen waren. Die Wiener Bevölkerung hatte sich in einem halben Jahrhundert vervierfacht. Alle diese Menschen waren auf private Wohltätigkeit angewiesen, Bedürftigen sollten aber „die demütigenden Almosen“ erspart bleiben, „Hilfe zur Selbsthilfe“ war das Motto, ist in der Ausstellung „Ringstraße. Ein jüdischer Boulevard“ im Wiener jüdischen Museum zu lesen.

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postheadericon Zahra Mani: Das Ungespielte spielt mit

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Freitag abends bei der orthodoxen Großmutter Shabbat feiern, am Sonntag in die Moschee – die Musikerin Zahra Mani erforschte familiäre Traditionen, viele Instrumente und einige Musikrichtungen, bevor sie eigene Wege fand, Klangräume für ungespielte Klänge zu erschaffen. Musikalische Schimmer, die flimmern…

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postheadericon Klanghaus im Ruhegebiet

Installateure, die „Wasserer“ heißen, tschechische Schlagzeuger, die „Freigeister“ sind, und Kapellmeister, deren Hörraum sich erweitert. Ein Ausflug ins Klanghaus, ein Zentrum für experimentelle Kunst, im steirischen Untergreith.

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„Hast dich wieder erholt vom Urlaub?“, fragt der alte Wirt die Musikerin Mia Zabelka und bindet sich die Küchenschürze um. Im Gasthaus Brand in Gleinstätten an der Grenze zu Slowenien sitzen lauter dunkel gekleidete Menschen an langen Tischen und unterhalten sich freundlich, denn es ist schon der dritte Leichenschmaus diese Woche. Das ganze Dorf ist gekommen. Draußen herrscht der Nebel vor und von der schönen, hügeligen Landschaft ist nichts zu sehen, gerade ist noch die Straße zu erkennen. Der junge Wirt, ebenfalls dekorativ in Schürze gekleidet, schwärmt von einer Dokumentation über Alaska, die er im Fernsehen betrachtet hat: „Nach Alaska will ich auch hin. Oder in die Antarktis. Das mache ich wirklich“.

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postheadericon Wie im Traum, wenn man schreien will

Peggy Parnass – schamvolles Überleben, präzise formulierte Wut: Als leidenschaftliche und streitbare Gerichtsreporterin schaute Peggy Parnass NS-Tätern mutig ins Auge. Als Kind versuchte sie ihre Eltern aus dem KZ zu retten, doch Schweden machte die Grenzen zu. Im Herbst wurde die Geschichte ihrer Kindheit als Buch publiziert. Kerstin Kellermann besuchte die Autorin für den Augustin in Hamburg.

 

Holzschnitt 06„Die Prozesse gegen Nazis, die ich haben wollte, fanden nicht statt!“, ruft Peggy Parnass unter ihrem Lockenschopf hervor. Die ehemalige Journalistin, Kolumnistin und Buchautorin, die nach einem schweren Bruch ans Bett gefesselt ist, ist berühmt für ihre Gerichtsreportagen – vor allem für die gegen nationalsozialistische Täter in Deutschland. Dieses Bild prägte sich vielen als Hoffnung ein: Vorne im Gerichtssaal wird gegen nationalsozialistische Mörder verhandelt und erste Reihe fußfrei sitzt die Tochter von zwei bemitleidenswerten jüdischen Menschen, die im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurden. Diese junge Frau beobachtet ganz genau, was für „Herrenmenschen“ das sind, die so Schreckliches vollbringen konnten. Analysiert sie mit scharfem Verstand und emotionalem Zugang und fasst ihre Überlegungen in Worte. In Wahrheit waren es bloß drei Prozesse gegen Nazi-Täter, die Peggy Parnass begleiten konnte – ein Großteil jener, die für den Massenmord verantwortlich waren, wurden von juristischer Verfolgung verschont. Alles andere waren „normale“ Gerichtsprozesse. Die tiefen Emotionen, die Aufregung, das zutiefst Menschliche, das Existenzielle in Opfern, ZeugInnen und TäterInnen zog sie magnetisch an. Siebzehn Jahre lang. „Es ging ja immer um Menschen“, sagt Parnass heute, „ich war jeden Tag um halb acht im Gericht, weil ich alles mitkriegen wollte. Um acht Uhr ging es los im Schwurgericht. Ich arbeitete im Schnitt sechzehn Stunden am Tag. Extreme Gefühle faszinieren mich“. Im Buch „Unter die Haut“ beschrieb sie es so: „Wenn man über andere schreibt, kann man sich auch ziemlich gut hinter deren Schicksal verstecken. Egal, wie beteiligt man ist.“ Sie auf jeden Fall wolle „nicht in der Distanz erfrieren“.

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