Archiv für die Kategorie „Artikel“
„Ein Trauma ist nicht angeboren, sondern wird erzeugt“
Misstrauen, schmerzhafte Erinnerungen, Vermeidungsstrategien: Das schwierige Thema, wie man mit Traumata umgeht und junge Flüchtlinge unterstützen kann, brachte die Psychotherapeutin Barbara Preitler zukünftigen PatInnen näher.
„Die jungen Flüchtlinge bringen alle einen Familien Hintergrund mit – ohne reale, sichtbare, anwesende Familie“, sagt Barbara Preitler, die als Therapeutin auf die Themen Flucht und Trauma spezialisiert und eine Mitbegründerin von „Hemayat“, einer Betreuungsorganisation für Folter und Kriegsüberlebende, ist. „Und es kann sein, dass das eine sorgende, nährende Familie war, in der die Kinder wachsen konnten, es ist aber auch möglich, dass sie zum Beispiel ausgebeutete Kinderarbeiter waren.“ Jeder junge Flüchtling schleppt also unsichtbar seine Mutter und seinen Vater, seine Großfamilie, seine Geschwister mit sich bis nach Österreich. „Sie bringen alle eine Familie mit“, sagt Preitler den zukünftigen PatInnen, die auf junge Flüchtlinge schauen wollen und ihre Schutzpersonen sein. „Aber für alle gab es einen Bruch, die Trennung – was nicht normal ist, für 13, 15 oder auch 17jährige.“
Hitler wird nicht abgestaubt
Berliner Konferenz: Export der sozialen Frage nach Afrika
Sie teilten sich den Kongo, ein Gebiet achtzigmal größer als Belgien, einfach unter sich auf: König Leopold II. von Belgien und der deutsche Bismarck unterzeichneten 1884 in Berlin einen Vertrag, in dem Deutschland versicherte, die belgische Kolonialpolitik im Kongo zu tolerieren, Belgien hingegen garantierte dem deutschen Schnaps- und Waffenhandel keine Einschränkung aufzuerlegen. „Die Schnapsausfuhr von Hamburg nach Westafrika war von 1875 bis 1884 auf mehr als das Dreifache gestiegen“, schreibt Pierrette Herzberger-Fofana in ihrem faktenreichen, spannenden Buch „Berlin 125 Jahre danach. Eine fast vergessene deutsch-afrikanische Geschichte“. Auch sollte einer Revolution vorgebeugt werden: „Das wichtigste Argument für den Besitz von Kolonien war der Export der sozialen Frage, um ein Ventil für die sozialen Spannungen in Deutschland zu schaffen.“ Das Buch erschien nun in der von Esperance-Francois Ng. Bulayumi herausgegebenen Reihe des Afroasiatischen Institutes Wien.
Kampusch: Kleine Überlebens-Künstlerin
Natscha Kampuschs Buch über ihre Gefangenschaft und Folter ist wirklich erstaunlich. Denn es konzentriert sich auf die kleinen Strategien und Tricks, sich Tag für Tag beinahe künstlerische Ideen auszudenken, um sich selbst zu unterstützen. Denn die größte Gefahr angesichts eines übermächtigen Täters ist sicher, in die Selbst-Auflösung, die Selbst- auslöschung zu verfallen – sich als eigenständige Person aufzugeben und die herabwürdigenden und gemeinen Werte des Täters zu internalisieren.
KZ am Loiblpass: Der Stacheldraht von damals
Ein kleiner Gauner wird aus einem Gefängnis in Frankreich direkt in ein Kärntner Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen gebracht und muss dort unter lebensgefährlichen Bedingungen am Durchbruch des Loiblpass-Tunnels (Firma „Universale Hoch- und Tiefbau AG“) mitarbeiten. Andre Lacaze publizierte 1978 in dem französischen Verlag Juillard das Buch „Le Tunnel“, das in „Argot“, der Sprache der kleinen Gauner, von Aspekten eines KZ handelte, die sonst selten beschrieben werden – über die Schwierigkeit auf einem Brett über einem riesigen Loch zu scheißen z. B., oder wie anstrengend doch diese politischen Gefangenen seien, die auf die aus Gefängnissen importierten Diebe und Betrüger herab schauen.

