Archiv für die Kategorie „Artikel“

postheadericon Punk und Holocaust: Die Endlösung der Endlösung

Als die Töchter und Söhne der Holocaust-Überlebenden auf die
Popmusik stießen, entstand Punk. Mit den Mitteln der Komödie, Überzeichnung
und  Rebellion versuchten Punkprinzessinnen wie Genya Ravan oder Helen Wheels die Schocks in ihrer Familiengeschichte zu verarbeiten.

Diesen Beitrag weiterlesen »

postheadericon Eyecatcher Boulevard-Medien

Reproduktion von Afrika-Bildern beim Festival „Ke Nako“:
Be-Bilderung, Standstills und Meinungs-Bild-ung: Wie reproduzierte das Festival „Ke Nako“ positive Afrika-Bilder, die aber gängigen Mechanismen folgen? Im folgenden Beitrag fordert die Autorin ein mutiges zeitgenössisches Afrikabild und die Abkehr von (Selbst-) Exotisierungen.

Zum Thema „Bilder“ ein kleines Coming-Out: Als ich vor kurzem zum ersten Mal in meinem Leben auf Krone-online landete, war ich äußerst erstaunt, wieviele kleine Bildchen sich am Cover, also auf der Startseite dieses beliebten österreichischen Boulevard-Mediums befinden. Ich suchte um die Bilder herum nach den Texten, den Artikeln zu den Fotos und konnte keine finden, bis mir jemand sagte, du mußt direkt auf die Bilder drauf klicken … Bilder und Fotos sind sehr wichtig, gerade in der unterbewussten Meinungs-bild-ung – diesen Umstand haben Boulevardmedien genau erkannt. Die so genannten „Qualitätsmedien“ berücksichtigen diese Erkenntnis aber eher nicht.

Diesen Beitrag weiterlesen »

postheadericon Jerusalem: Rinde spinning und Riot Police

Warum wird den einen nur das „bloße Leben“, das nackte Überleben zugestanden? Warum schützt ein Staat nur seine Bürger und Bürgerinnen und erklärt andere, die im gleichen Gebiet wohnen, für vogelfrei? Die Ausstellung „Bare Life“ des Jerusalemer Museums „On the Seam“ thematisierte, wie Staaten mit der Taktik der Exklusion arbeiten. 

Fünf Minuten vom Damaskus Tor mit seinen den Markt in der Altstadt besuchenden durcheinander eilenden Menschenmassen entfernt, liegt an der vierspurigen „Road Number one“, die zur amerikanischen Kolonie führt, das „Museum on the Seam“. Bewusst auf der „Nahtstelle“ zwischen den jüdischen und arabischen Vierteln Jerusalems angesiedelt, nimmt sich dieses soziopolitische Museum für zeitgenössische Kunst der Menschenrechte an. In einer ehemaligen Militärkaserne untergebracht, ist heute aus den Bullaugen-Fenstern mit den metallenen Fensterläden eine Allee von Orangenbäumchen zu sehen. Staatliche Versuche, das bloße Leben an sich zu kontrollieren, sind das Thema der hier ausgestellten Interventionen von 42 KünstlerInnen aus der ganzen Welt. Anselm Kiefer ist vertreten und auch Bruce Naumann, dessen Videoinstallation eines glatzköpfigen Mannes, der sich ständig singend zu Musik dreht („Rinde spinning“, 1992), schwer auszuhalten ist. Konzepte des Nachdenkens über das „bloße Leben“, der Gewalt über Leben und Tod und den Folgen von schnellen Entscheidungen im Windschatten von Regierungsbeschlüssen sind weltweit existenziell. Künstlerische Bearbeitung und Utopienfindung sind in diesem Bereich international dringend notwendig. Diesen Beitrag weiterlesen »

postheadericon Anselm Kiefer: „Ruinen sind für mich ein Normalzustand“

Der Maler Anselm Kiefer wuchs direkt nach dem Zweiten Weltkrieg mit Ruinen und Trümmern im Blickfeld auf: „Das ist ein Zustand der Transition, des Umschwungs, der Veränderung. Mit den Steinen, die in den großen Städten von den sogenannten Trümmerfrauen – heute fast schon ein mythologischer Begriff – gereinigt wurden, baute ich Häuser.“ Ein überaus dichter Interviewband ist Klaus Dermutz da gelungen, voll lyrischer Fragen und eigener Überlegungen nach der Gnosis, der Mystik und Kosmogonie Isaak Lurians und dem Einfluss von Gedichten Ingeborg Bachmanns und Paul Celans auf Kiefers Kunst. Es zeigt sich, wie viel mehr ein Interviewer erreichen kann, wie tief schöpfen, der sich auf einen Künstler spezialisiert, ihm in seinen Werken folgt.

Diesen Beitrag weiterlesen »

postheadericon Der Kopfbahnhof. Abgesang auf den Südbahnhof

Nie wieder, für immer, los lassen, Abschied nehmen. Zeiten der Transition und des Abrisses. Unsere Gesellschaft kennt wenig Rituale für gemeinsame Festlichkeiten oder Trauerangelegenheiten. Und auch keine öffentlichen Orte dafür. Wo sind die Fluchtlinien, die eine Gesellschaft nötig hat? Warum war niemand vorbereitet, dass die obdachlosen Bewohner des Südbahnhofes nicht wissen wohin, wenn ihre Wohnstätte gesperrt wird?

 An dem Abend, an dem der Südbahnhof zugesperrt und endgültig geschlossen wurde, sah ich mehrere von ihnen: Grantige Obdachlose, die wie aufgezogen und Flipperkugeln gleich mit dem Rucksack auf dem Rücken über die Treppen und durch die große Halle hirschten, mit bösem Gesichtsausdruck in konzentrischen Kreisen ihr Territorium bemassen, nicht glauben konnten, dass eine Ära, ihre Ära zu Ende ginge. Skurille Gestalten feierten an diesem Abend den Abschied vom Südbahnhof, einem Untergang gleich, ihrem Untergang, im Gefühl selbst austauschbar zu sein und älter und einsamer zu werden, in Angst verhaftet und in der zunehmenden Sicherheit, dass auch sie ausgemusterte Figuren seien – ähnlich dem Bahnhof, der ihre Kindheit und Jugend prägte. Tränen standen vielen in den Augen. Der Fortschrittsglaube macht viel kaputt.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Archiv