„Whores’ Glory“: Dem Tod sexy die Zähne zeigen
Der Film „Whores’Glory“ von Michael Glawogger konfrontiert mit unangenehmen Wahrheiten zu Prostitution und Sexualität in unseren Gesellschaften. „Whores’ Glory“ zeigt den Preis fürs Überleben und Sensenmänner, die jeden früher oder später holen.
In jedem kleinen, mit bunten Tüchern geschmückten Zimmer einer Hure steht der Tod auf einem Tischchen. Ein richtig gruseliger Sensenmann, mit Kapuze über seinem Skelettkopf, eine hohe Figur, vor der eine Kerze brennt und die verehrt wird. Ein breites Bett paßt in die Kammer hinein, ein Stuhl – die Eingangstüre dieser Baracke steht offen: So sieht der Strich in der „La Zona de la toleranzia“ in Mexiko aus. Draußen fahren Jeeps und Lieferwägen durch Matsch und Pfützen, drehen Männer ihre Runden, um sich eine Frau auszusuchen.
Endlich olympisch fliegen

Von links: Meaghan Reid aus Calgary, Lindsey Van aus Park City, Utah, Karla Keck aus Oconomowoc, Wisconsin und Jessica Jerome aus Park City
Skispringerinnen dürfen hüpfen: Ein Gerichtsurteil in Kanada hat das Ende der Diskriminierung von Skispringerinnen beschleunigt. Das Olympische Komitee sträubte sich zwar noch kurzzeitig, aber 2014 in Russland werden Damen von der Schanze fliegen. Die Warterei hat lange genug gedauert – ganze drei Generationen durften nicht olympisch springen.
Von Kerstin Kellermann und Sefer Ülger
Zum Nachhören
Medienmagazin „Recherche“ im September zu „Sozialen Bewegungen und Social Media“ & Straßenzeitungen
Interview mit Kerstin Kellermann – Journalistin und Reporterin beim Wiener „Augustin“
Podcast: medienmagazin.net
Feuerlegen in Venedig
Österreich-Bezüge im Simbabwe- und Roma-Pavillon
„Die Idee einer Nation muss als Vorstellung von Gemeinschaft erneuert werden“, steht im niederländischen Pavillon auf der Biennale Venedig. Der thailändische Pavillon in einem Kaffeehaus erfindet die eigene Nation „Navinland“ und Wachmänner mit Pistolen bewachen den illuminierten Gottvater, fliegend mit Gänsen, von Tintoretto („La creazione degli animali“ 1518). Der illuminierte Jesus gibt anderen zu trinken. Simbabwe und die Roma stellten zum ersten Mal aus.
EVIAN 38 und die Folgen
Exilforschung trifft Flüchtlingsbetreuung
„Wir hatten hier eine Pionier-Tagung, schwer arbeitende Flüchtlingsbetreuerinnen tauschten sich mit Exilforscherinnen aus“, sagt Siglinde Bolbecher von der Theodor Kramar Gesellschaft am Schluß. „Viele Länder führten wegen der jüdischen Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg erstmalig die Visumspflicht ein. So erhielten für Großbritannien nur wenige Fachkräfte und jüdische Kinder die Einreiseerlaubnis, alle anderen nur, wenn sie als Dienstboten angefordert wurden“, sagte sie am Anfang. „Die Konferenz von Evian 1938 begründete die moderne Flüchtlingspolitik!“ Bolbecher ist dagegen, dass sich die Exilforschung momentan Begriffe der Migrationsforschung aneigne und warnt vor Unschärfe, Antisemitismus „in einer antipolitischen Rassismus-Debatte versinken zu lassen!“.
