Archiv für die Kategorie „Artikel“

postheadericon gelatin: Kaputt machen! Auf Holzwagerl surfen!

Ausstellung von gelatin im 21er Haus

Foto: Geri Ecker

Foto: Geri Ecker

Der tapfere Pianist beugt sich über das Klavier und produziert über Stunden Töne, die zerbrechlich und fein im Raum stehen. Ein Finne. Vor und oberhalb von ihm ein Riesen Styroporberg, auf dem in schwindliger Höhe die gelatin-Künstler_innen thronen, Löcher bohren und mit Styroporteilen um sich schmeißen. Während der Fluxus-Künstler Wolf Vostell aber in seinen Aktionen Fernsehgeräte und Mercedesse einbetonierte, mit klarem, gesellschaftlichen Statement, entzieht sich die Ausstellung „Loch“ der Künstlergruppe gelatin mit der simplen Berg-Metapher einem zeitgenössischen gesellschaftspolitischen Kontext. Doch das Aufbrechen des Museums, wie es VALIE EXPORT im 20er Haus praktizierte – sie schnitt einen Spalt in die Glaswand und setzte einen Steg in die Luft -, und das Ad-absurdum-Führen musealer Gegenstände durch eine Unmenge an ähnlichen Gips-Skulpturen mit Holzleisten drin und die Möglichkeit fleißig selber zu bauen, lösen sehr wohl die Grenzen zwischen Werk und Betrachterumfeld auf.

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postheadericon Der Purpurblaurabe und die „Realität zweiten Grades“

Tatiana Lecomte im Museum am Judenplatz.

 Vogel Lecomte von Tatiana LeconteWie läßt sich eine traumatische Geschichte in Bildern verarbeiten? Wenn jemand etwas sehr Schlimmes erlebt hat, passen für sie oder ihn die Bilder im Kopf nicht immer mit der Realität zusammen. Man kann die Wirklichkeit manchmal nicht einordnen. Standbilder, Flashbacks oder Farbausfälle kennzeichnen ein Trauma – eine Fragmentierung der Wirklichkeit passiert, nur Teile des Geschehens werden noch wahrgenommen. Inkablaurabe oder Rostbauch-Fruchttaube, Bunttukan oder Purpurblaurabe heißen die Vögel, die die Künstlerin Tatiana Lecomte im Wiener Jüdischen Museum am Judenplatz ausstellt. Und damit die erste zeitgenössische Kunst Ausstellung in der kleinen Schwester des großen Jüdischen Museums ausrichtet. Große Schwarzweißfotos von ausgestopften Vögeln aus dem Naturhistorischen Museum stehen auf dem Boden und zeigen einen erstarrten Tod mit einem Rest von Lebendigkeit in den künstlichen Augen.

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postheadericon „Hyänen der Lust“ und Tragetiere

Ausstellung: Frauen im Ersten Weltkrieg im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien.

Soll der düstere neue Hauptbahnhof mit seinen schwarzen Wänden und seinem schweren Dach eine Art Erinnerungs-Blitz sein? Denn dieser deutet genau aufs Arsenal und weist damit darauf hin, dass der Bahnhof ursprünglich für Soldaten und den Krieg erschaffen wurde. Sogar das Heeresgeschichtliche Museum mit seinem Backsteinbau wirkt dagegen freundlich, zumindest der kleine Raum neben dem Eingangstor, der mit 16 Schautafeln (englisch!) zum Thema „WoMen at War, k.u.k. Frauenbilder 1914 – 1918“ voll gestellt ist. Hier erfährt man erstaunliche Dinge, über das fleißige offizielle Kriegsfürsorgeamt des k.und k. Kriegsministeriums z.B., oder dass in Sarajevo auch die „Gattin Gräfin Sophie von Hohenberg“ ermordet wurde und dass Frauen „harte körperliche Arbeit in der Rüstungsindustrie“ leisteten, die „wichtigste Aufgabe aber die sparsame Haushaltsführung“ war. Es gab Vorträge und Kurse über die Möglichkeiten „aus Nichts etwas zu machen“.

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postheadericon Probleme mit Arendt

Verein „Gedenkdienst“ tagte zum Eichmann-Prozess.

Was bei der ambitionierten, internationalen Tagung „Eichmann nach Jerusalem. Hintergründe, Be-deutungen und Folgen des Prozesses“ u.a. des Vereins „Gedenkdienst“ auffiel, waren die Feindseligkeiten gegen die Philosphin Hannah Arendt, die mit ihrem Bericht über Eichmann im „New Yorker“ das weltweite Nachdenken über Nationalsozialismus und Shoah stark beeinflussen konnte. Arendt erlag dem Missverständnis, dass sie sich als Journalistin ähnlich einer Wissenschaftlerin aus ihrer persönlichen Betroffenheit heraus halten sollte.

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postheadericon Refugee Struggle Congress: „Gebt die Angst den Besitzern zurück“

refugeecongress-4Flüchtlings-Konferenz in München auf der Suche nach Theorie : Auf der gut besuchten Flüchtlings-Konferenz in München bemühten sich Flüchtlinge eine eigene Theorie dazu zu entwickeln, warum die europäischen „Aufnahmegesellschaften“ eine derartig gefährliche Flüchtlings-Abwehr praktizieren. Ausflüge ins „Haus der Kunst“ bzw. ins Jüdische Museum zeigten anregende Widerstandsformen aus anderen Kontexten.

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